Iran: Filmemacherin in Haft


Sie kämpft für die Rechte der Frauen und dreht Dokus. Das reicht, um die iranische Filmemacherin Mahnaz Mohammadi zum zweiten Mal einzusperren.

Sie habe immer mit Repressalien zu rechnen. Ihr Reisepass wurde bereits eingezogen, um ihre Ausreise zu ausländischen Filmfestivals zu verhindern. Nun wurde die iranische Filmemacherin Mahnaz Mohammadi Ende Juni 2011 zum zweiten Mal festgenommen. „Ich bin eine Frau und Regisseurin“, mutmaßt Mohammadi über ihre Festnahme. Mohammadis Film „Frauen ohne Schatten“ wurde in mehreren Ländern mit Presien ausgezeichnet. Sie hat außerdem mit der bekannten iranischen Regisseurin Rakhshan Bani-E´temad bei „We are half of Iran´s Population“ zusammengearbeitet. Dieser Film wurde letztes Jahr beim „This Human World“-Festival in Wien in Anwesenheit von Mahnaz Mohammadi gezeigt. Zuletzt plante sie eine Dokumenation über die Situation der Frauen im Iran.

N.N aus Teheran: „Mahnaz Mohammadi festgenommen, In: Der Standard, 29. Juni 2011.


 

Bildband über die österreichische Avantgardefilmerin Linda Christanell


Die Arbeiten von Linda Christanell (*1939 in Wien), eine der seit Jahren konsequente Vertreterin der filmischen Avantgarde Österreichs, sind einem breiten Publikum nur wenig bekannt. Das mag daran liegen, dass ihr Schaffen eine enorme Bandbreite aufweist, die eine einfache Zuordnung erschwert. Denn die Künstlerin Linda Christanell arrangiert in ihren Filmen gerne Utensilien, die der weiblichen Lebenswelt entstammen, dekonstruiert diese Klischees und stellt sie in neue, verblüffende Zusammenhänge. Die eben bei SYNEMA erschienene Publikation „Linda Christanell – Wenn ich die Kamera öffne, ist sie rot“ schafft Abhilfe, indem es – reich bebildert – das Schaffen Linda Christanells dokumentiert. DIAGONALE präsentiert wird.
Zu beziehen bei SYNEMA: office(at)synema.at


Linda Christanell entwickelte mit Hilfe von Fotoarbeiten, Installationen, Objektkunst und Performances eine sehr persönliche Filmsprache.

Foto-Quelle:  Filmmuseum www.filmmuseum.at


 

Österreichischer Filmpreis wird auch 2012 vergeben


Wien – Die von der Akademie des Österreichischen Films erstmals 2011 vergebene Auszeichnung ist für 2012 gesichert: das Wirtschaftsministerium fördert nun ebenfalls, die Hälfte der benötigten 300.000 Euro bringe man über Beiträge und Sponsoren selbst auf. Filme können ab 5. Juli eingereicht werden.
Infos: www.oesterreichische-filmakademie.at

Quelle: Der Standard (irr), 1. Juli 2011




Frauenfilmfestivals in Dortmund


Seit 2006 findet die aus den traditionellen Festivals Femme Totale (Dortmund) und Feminale (Köln) fusionierte Veranstaltung alternierend in beiden Städten statt. Dabei sind neben einem Wettbewerb für Spielfilmregisseurinnen (die griechische Regisseurin Athina Tsangari erhielt für „Attenberg“ den Hauptpreis) und dem weltweit einzigen Preis für Bildgestalterinnen (Eva Maschke und Hanne Klaas) jeweils ein regionaler (Köln) und thematischer Schwerpunkt (Dortmund) zentrale Komponente.
Der hieß dieses Jahr „Was tun? Filme zur Situation“ und trifft sich mit dem politisierten Lebensgefühl vieler nach Banken- und Atomcrash.
Erstmalig wurde ein Dokumentarfilmpreis für ein Lebenswerk vergeben, nämlich an die widerständige Dokumentarfilmerin Helga Reidemeister.

Silvia Hallensleben: „Guerilla-Gardening und autonome Waldwirtschaft“. In: Der Standard, 20. April 2011.


 

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Krise der Filmförderung?


Das heimische Filmfestival Diagonale benannte in Panels einige strukturelle Probleme, an der die gesamte Filmbranche laboriert. Eine Reform der Fördereinrichtungen täte not. Eine kurze Zusammenfassung des Schwächelns der geldgebenden Stellen: „Bei der Filmabteilung des Kulturministeriums (BMUKK), zuständig für innovative, kleiner dimensionierte Arbeiten, ist das Budget am Stand von 1992, nun wurde auch ein Einreichtermin vor dem Sommer gestrichen.
Budgetengpässe sind auch am Österreichischen Filminstitut (ÖFI) laufend zu konstatieren; hinzu kommt Kritik des Rechnungshofs an Unvereinbarkeiten im ÖFI-Beirat. Der Unmut in der Branche wächst, denn Mitbewerber können nicht über Mitbewerber entscheiden.“

Dominik Kamalzadeh, Isabella Reicher: „Kräftige Lebenszeichen in einer neuen Generation“, in: Der Standard, 28. März 2011.



Totale Überbewertung von Auszeichnungen!

 

Zu all den Bären, Löwen und Leoparden, Césars, Lolas und Goyas dieser Welt kam am 29. Jänner 2011 erstmals der Österreichische Filmpreis hinzu. Namen hat der arme Geselle keinen, nicht einmal eine ordentliche Statuette stellt ihn dar. Der Grund: Für die Produktion des von Valie Export gestalteten Objekts fehlt ebenso das Geld für eine festliche Gala. Beides hätte 675.000 Euro gekostet.
Dass Preise Spannung, Aufmerksamkeit und Werbewirksamkeit generieren, ist überdies ein großer Irrtum. Denn dafür werden sie mittlerweile viel zu inflationär vergeben. Was vor allem der junge Teil der Filmbranche viel notwendiger hätte als ein weiteres Event, wäre eine Auseinandersetzung darüber, warum es in diesem Land so wenig Gelegenheit zu kontinuierlichem Arbeiten gibt.

Der Europäische Filmpreis, der bis 1997 noch Felix hieß, wird oft als „europäischer Oscar“ bezeichnet. Auch ihm blieb die große Aufmerksamkeit verwehrt.

Dominik Kamalzadeh: „Namenlos unter Palmen“, in: Der Standard, 29./30. Jänner 2011  | Bild: © Wikipedia




Eine Frau an der Spitze des Filmfonds Wien

Gerlinde Seitner: ab November 2011 die neue Geschäftsführerin des Filmfonds Wien.

Seit 2004 ist sie stellvertretende Direktorin des Österreichischen Filminstituts; ab kommenden November leitet sie den Wiener Filmfonds. MMag. Gerlinde Seitner hat an der Wirtschaftsuniversität Wien Handelswissenschaften und an der Universität Wien Französisch und Englisch als Dolmetschstudium absolviert. Im ÖFI zählte die Koordination des MEDIA Desk Österreich, insbesondere die Betreuung des Programms in Österreich, Förderberatung und Sponsorenbetreuung zu ihrem Aufgabengebiet. Darüber hinaus war sie Schriftführerin im Aufsichtsrat des Filminstituts und koordinierte die EFAD (European Film Agency Directors) Arbeitsgruppe zu den staatlichen Beihilfen. Seit 2005 ist sie Mitglied im Beirat des Fernsehfonds Austria bei der RTR und seit 2010 Ersatzmitglied im FISA-Beirat.

Zitiert nach: www.wien.gv.at | Bildquelle: www.filminstitut.at


Fakten und Zahlen


In Österreich sind 35,2% der Filmschaffenden weiblich. („Zur sozialen Lage der Künstlerinnen und Künstler in Österreich“. Hg. v. BM:UKK, Wien 2008)
Insgesamt sind hierzulande zwischen 700 und 1.400 FilmemacherInnen aktiv, die wiederum einen jährlichen Gesamtumsatz von 130 Millionen Euro unter sich aufteilen.

Quelle: „Taten zum österreichischen Film“. Hg. v. Österreichischen Filminstitut, Wien 2002.


 

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Haben es Frauen in der aktuellen österreichischen Filmlandschaft schwerer?


Regisseurin und Drehbuchautorin Ulrike Schweiger ortet das Gesetz der Prärie in der Filmbranche.
Die Regisseurin und Drehbuchautorin Ulrike Schweiger bejaht diese Frage: „Frauen werden stets kritischer betrachtet als Männer. Egal, wie wir uns verhalten, es ist im Zweifelsfall immer unpassend.
Immer noch werden Frauen in sogenannten Frauenberufen erwartet, wo sie bestimmten – gesellschaftlich vorgegebenen Verhaltensmustern – entsprechen sollen. Außerdem ist Österreich ein Land, in dem in der Filmbranche noch immer ein gewisser Cowboy-Spirit zu herrschen scheint
.“

Sabine Perthold: „Die Zukunft des österreichischen Films ist weiblich…“ Eine Präsentation von 10 Kino-Filmregisseurinnen und Drehbuchautorinnen, in: Kunst- und Kulturbericht der Stadt Wien 2003. | Bild: www.drehbuchforum.at


… and The Oscar Goes To…


Die US-Regisseurin Kathryn Bigelow erhielt 2010 als erste Frau den Regie-Oscar

Die US-Regisseurin erhielt für ihren Film The Hurt Locker gleich zwei Oscars: Für den besten Film und die beste Regie, als erste Frau! Ein umso größerer Triumph, weil man Bigelow nach zwei Flops (The Weight of Water im Jahr 2000 und K-19: The Widowmaker, 2002) in den vergangenen zehn Jahren empfindlich zurückgestuft hatte: Damit hatte die Spezialistin für intelligente Action und interessante Brechungen von Geschlechterstereotypen (Blue Steel, 1989, Point Break, 1991 und Strange Days 1995) – anders als viele männliche Kollegen ihrer Liga – offenbar ihre Kreditwürdigkeit bei Produzenten und Kritikern verspielt und es dauerte Jahre, bis die Finanzierung ihres jüngsten Projektes The Hurt Locker gesichert war.

Isabella Reicher: „Mehrfach vergoldetes Comeback“, in: Der Standard, Dienstag, 9. März 2010, Kopf des Tages. | Bild: Lilian Standefer (
scifi-mafia.com)



Weißes, unterspicktes Männchen


Zur Oscar-Verleihung produzierten die
Guerrilla Girls ein Reklameplakat, das den „Anatomisch korrekten Oscar“ darstellte: Die Statue eines dicklichen, weißen Mannes, der schüchtern seine Genitalien bedeckt. „Er ist weiß und männlich, genau wie die Kerle, die gewinnen!“ analysiert das Plakat.



Quelle und Bildnachweis:
www.guerillagirls.com
 


Kein Vertrauen in Kamerafrauen

Der russische Regisseur Sergey Dvortsevoy engagierte – allerdings nicht ganz freiwillig – für sein Spielfilmdebüt Tulpan, das in Cannes 2008 prämiert worden war, eine Kamerafrau. Das Ergebnis dürfte ihn überrascht haben: „Mein langjähriger Kameramann war verhindert. Man hat mir die polnische Kamerafrau Jolanta Dylewska vorgeschlagen. Ich war total dagegen, weil ich dachte, eine Frau würde das nicht schaffen. Bei den Vorgesprächen wollte ich sie eigentlich abwimmeln. Aber sie hat sich als sehr stur erwiesen. Am Ende war mir klar, dass ich sehr dumm gewesen bin. Sie ist viel stärker als mancher Mann, hat ihre Seele in diese Arbeit gelegt, und ich hätte den Film ohne sie nie machen können. Jetzt will ich sie auch für mein nächstes Projekt haben.“

Isabella Reicher: „Menschen, wilde Tiere und leere Landschaften“, in: Der Standard, 6./7. März 2010.


 

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Die Frauen und das große Geld


Die österreichische Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin Barbara Albert schätzt die Situation für Regisseurinnen in Österreich folgendermaßen ein: „Hier ist es ganz ähnlich wie überall auf der Welt. Rein statistisch gesehen ist es so, dass dort, wo das meiste Geld ist, dort wo die großen Budgets sind, die Frauen ausgeschlossen sind. Man kann hinterfragen: Warum wird einer Frau, die ein Kind hat, nicht ein gleich großes Budget zugetraut wie einem Mann? Oder warum wird vermutet, dass sie sowieso einen Ernährer an ihrer Seite hat und deswegen mit den Filmen, die sie macht, nicht viel Geld verdienen muss? Das sind ganz grundsätzliche gesellschaftliche Dinge, die in anderen Bereichen ein noch größeres Problem darstellen.“

Filmarbeiterinnen haben in Österreich keinen Grund zum Jubeln! (Filmstill aus: Barbara Albert, „Fallen“, 2006, 85.Min.)

Regisseurin Barbara Albert interviewt von Julia Evers, in: Oberösterreichische Nachrichten, 10. März 2010. | Bild: Pressefoto


 

„Dieselben Missstände wie vor 25 Jahren“

„Film ist – abgesehen vom Experimentalfilm – ein extrem teures Medium! Dementsprechend hart ist der Konkurrenzkampf und dementsprechend wichtig ist jede Subventionsvergabe. Es gibt wenig Geld für wenige Projekte“, skizziert Käthe Kratz, eine der Pionierinnen der österreichischen Filmszene, das vorherrschende Dilemma.
Sie gründete damals die „Aktion Filmfrauen“, deren Initiatorin die früh verstorbene Margaretha Heinrich war. „Damals forderten wir“, erinnert sich Käthe Kratz, „die Besetzung der Gremien im Verhältnis 50:50 (Frauen:Männer). Der ausschlaggebende Grund dafür war: 1981 wurde der österreichische Filmförderungsfonds (ÖFF, wie er damals noch hieß) gegründet. Von den etwa 100 innerhalb der ersten 5 Jahre geförderten Filmprojekten wurden nur drei Frauenprojekte durchgebracht: Kitty Kinos Karambolage, Valie Exports Praxis der Liebe und mein Kinofilm Atemnot."
Und heute – fast 25 Jahre später – sind alle Gremien nach wie vor fast nur mit Männern besetzt.

Nicht nur im Billard, auch in den Gremien dominieren die Männer. Filmstill aus: Kitty Kino, „Karambolage“, 1983, 100 Min. - www.kittykino.com

Filmemacherin Käthe Kratz in Gespräch mit Sabine Perthold: „Frauen drehen keine Western“, in: Frauenkulturbericht der Stadt Wien, 2003. | Download: www.wien.gv.at/kultur/abteilung/pdf/frauenkunst2003c.pdf


Männliche / weibliche Filmsprache?
 

Regisseurin Jessica HausnerRegisseurin Jessica Hausner entwirft „andere“ Bilder als ihre männlichen Kollegen. 

Die Regisseurin Jessica Hausner (u.a. Lovely Rita, 2000, Hotel, 2004, Lourdes, 2009) formuliert ihre Gedanken über Ästhetik und Sehgewohnheiten: „Inwieweit man von einer männlichen oder weiblichen Filmsprache reden kann, ist fraglich. Aber man kann nicht leugnen, dass bestimmte Aspekte der Darstellung von Männern und Frauen eben doch geschlechtsspezifisch sind. Gerade mit der Darstellung von Frauen in Filmen entwerfen Regisseurinnen andere Bilder als männliche. Und diese wiederum sind manchmal noch ungewohnt und fremd. Daher stoßen sie auf Skepsis, mehr als herkömmliche Rollenbilder.“

Die Regisseurin Jessica Hausner im Interview mit Andrea Heinz: „81:1. Unter welchen Bedingungen arbeiten weibliche Filmschaffende in Österreich?“, in: an.schläge, Mai 2010.  | Bild: © coop 99


„Frauen drehen keine Western“

Käthe KratzKäthe Kratz beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit weiblicher Ästhetik im Film.

Die Frage einer weiblichen Ästhetik diskutieren wir nun seit rund 30 Jahren“, meint Regisseurin Käthe Kratz, „es steht für mich jedoch außer Zweifel, dass Frauen und Männer Stoffe unterschiedlich schreiben und unterschiedlich lesen. Auf einen einfachen Nenner gebracht: viele 'Männergeschichten' interessieren mich nicht, und umgekehrt ist es wohl genauso. Ich kenne keine Frau, die jemals einen Western gedreht hätte. Was sich sicher unterscheidet, sind Themen und vor allem Perspektiven, also die Blickwinkel. Ich denke, wenn ich hundert Drehbücher lesen würde, könnte ich in 2/3 der Fälle sagen, ob es ein Mann oder eine Frau geschrieben hat.“

Sabine Perthold: „Die Zukunft des österreichischen Films ist weiblich…“ Eine Präsentation von 10 Kino-Filmregisseurinnen und Drehbuchautorinnen, in: Kunst- und Kulturbericht der Stadt Wien 2003. | Download: www.wien.gv.at/kultur/abteilung/pdf/frauenkunst2003c.pdf
 | Bild: APA/Pfarrhofer


Geschlechtsspezifische „Markierungen“

Amaryllis SommerAmaryllis Sommer ist erfolgreiche Kinderbuch- und Drehbuchautorin.

Drehbuch- und Kinderbuchautorin Amaryllis Sommerer sucht nicht extra nach dem „weiblichen Blick“, sondern ist davon überzeugt, dass dieser ohnehin fixer Bestandteil ihrer Erfahrungswelt ist und deshalb immer in ihren Arbeiten mitschwingt: „Natürlich haben Frauen einen anderen Blick auf die Welt als Männer. Der ist nicht besser, schlechter, sensibler, gefühlsbetonter, oder 'weiblicher' im Sinne der Attribute, die uns Frauen zugeschrieben werden. Er ergibt sich aus der Erfahrungswelt als geschlechtliches Wesen, das Mensch nun einmal ist. Die Erziehung, die Gesellschaft ist geschlechtsspezifisch 'markiert'. Insofern ist mein Blick als Künstlerin auch ein weiblicher. Ich suche nicht ein Frauenthema, sondern die Frauenthemen ergeben sich aus meiner Erfahrungswelt. Sie schleichen sich ein in alle Arbeiten, auch wenn es gar nicht beabsichtigt ist.“

Sabine Perthold: „Die Zukunft des österreichischen Films ist weiblich…“ Eine Präsentation von 10 Kino-Filmregisseurinnen und Drehbuchautorinnen, in: Kunst- und Kulturbericht der Stadt Wien 2003. | Bild: www.lizzynet.de/ 


 

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Minderer Bekanntheitsgrad von Regisseurinnen

Wer kennt eine österreichische Regisseurin?Heiteres Berufserraten: Wer kennt eine österreichische Regisseurin?

Gehen sie auf die Straße und fragen sie nach einer österreichischen Regisseurin. Ratlosigkeit wird sich breitmachen und manche werden entschuldigend den Namen Haneke murmeln“, meint die Filmwissenschafterin Brigitte Mayr vom Verein „SYNEMA, Gesellschaft für Film und Medien“.
Die Filmemacherin Jessica Hausner erklärt dieses Faktum mit der Unterrepräsentiertheit der Frauen in den Medien: „Frauen sind nach wie vor die Ausnahmen und sollen froh sein, überhaupt erwähnt zu werden. Männer sind selbstverständlich ernst zu nehmende Filmregisseure. Wenn mal eine Frau in einer Auswahl mit dabei ist, oder gar einen Preis gewinnt, ist das ungewöhnlich.“
Dieses Manko der Medienberichterstattung beeinflusst die mangelnde Rezeption von Filmemacherinnen, mehr als noch als das inhärente Ungleichgewicht in der Branche selbst. Das Resultat: „Weibliche Themen“, vertreten im Spielfilmbereich etwa durch Barbara Albert, Jessica Hausner, Ulrike Schweiger, Sabine Derflinger, Andrea Maria Dusl u.a. fristen trotz internationaler Erfolge immer noch Nischendasein.

Andrea Heinz: „81:1. Filmschaffende Frauen geben Einblick in ihre Arbeitsbedingungen“, in an.schläge, Mai 2010. | Illustration Gabriele Szekatsch


 

Ungeregelte Arbeitszeiten


Als Filmemacherin muss ich akzeptieren“, erzählt Regisseurin und Produzentin Barbara Albert (coop 99), „dass die Arbeit kein Ausnahmezustand ist, sondern der größte Teil meines Lebens. Denn durch das Involviertsein so vieler Menschen bedeutet Filmamchen ein ständiges Gefordertsein. Sich abzugrenzen ist da extrem schwierig, und damit haben Frauen oft größere Schwierigkeiten als Männer. Insofern trenne ich nicht mehr zwischen Arbeit und Privatem, sondern versuche, nur unter solchen Umständen zu arbeiten, die für mich tragbar sind. Geregelte Arbeitszeiten gibt es nur während der Dreharbeiten.“

Sabine Perthold: „Die Zukunft des österreichischen Films ist weiblich…“ Eine Präsentation von 10 Kino-Filmregisseurinnen und Drehbuchautorinnen, in: Kunst- und Kulturbericht der Stadt Wien 2003. | Download: www.wien.gv.at/kultur/abteilung/pdf/frauenkunst2003c.pdf



Echtes Wiener ProduzentInnenschicksal?

Babara Gräftner hat sich einen Namen im dokumentarischen Filmbereich gemacht. Für den Spielfilm Mein Russland erhielt sie 2002 den Max-Ophüls-Preis. Filme machen bedeutet für die gelernte Ärztin, „das Bleibende hinter den ich wandelnden Gestalten sehen zu wollen, es zu suchen und zu jagen. Es bedeutet, dem Wesentlichen Fallen stellen, ihm dicht auf den Fersen sein, nicht aufgeben, dem besseren Wissen über sein unvermeidliches Entwischen zum Trotz. Es bedeutet, das Wesen in jeder Erscheinung listig hervorzulocken.“
Wie ist die Drehbuchautorin und Regisseurin mit dieser Philosophie auf den „Mundl“ gekommen? Nachdem sie bereits Teil 1 der „Echten Wiener“ mit ihrer eigenen Produktionsfirma Bonus-Film produziert hat, zeichnet sie bei Teil 2 auch für Drehbuch und Regie verantwortlich.
Drängt sich unweigerlich die Frage auf, ob kommerzielle Projekte die Cash-Cow für sperrigere Themen sind.

Barbara Gräftner zitiert nach: www.zauberlandfilm.de


 

Österreichischer Filmpreis 2011


Ende Jänner 2011 findet erstmals der Österreichische Filmpreis im Rahmen einer festlichen Gala im Wiener Arsenal statt. Trägerin dieser Aufgabe ist die Akademie des Österreichischen Films. Sie besteht aus rund 100 renommierten Persönlichkeiten des österreichischen Films und versteht sich als Plattform für die Filmbranche. Die Präsidentschaft haben die Regisseurin und Produzentin Barbara Albert und der Schauspieler Karl Markovics übernommen. Ausgezeichnet werden herausragende Leistungen des voran gegangenen österreichischen Filmjahres in mehreren Kategorien. Die Preisträger/innen werden in einem zweistufigen Auswahlverfahren durch die Mitglieder der Akademie ermittelt. Die Gala wird vom ORF übertragen.
Für die medienwirksame Inszenierung bestellte man als künstlerischen Leiter Oscarpreisträger Stefan Ruzowitzky: „Die Verleihung des Österreichischen Filmpreises soll beste Werbung für den österreichischen Film sein – die Fernsehshow muss unterhaltsam, humorvoll, emotional, spannend sein, um derart auch Lust auf österreichische Filme zu machen.“

Quelle: http://www.oesterreichische-filmakademie.at/dokumente/
OESTERREICHISCHER_FILMPREIS_2011.pdf


Wo sind die Frauen an der Filmakademie?


Sandra BohleSandra Bohle gründete 2006 mit Götz Spielmann eine eigene Filmproduktionsgesellschaft.

Sandra Bohle, wundert sich. Sie unterrichtet an der Filmakademie die Klasse „Buch und Dramaturgie“. Im sogenannten Mittelbau gibt es einige lehrende Frauen, bei den Professuren findet sich allerdings nur mehr eine Frau, die Gastprofessorin Helga Bähr (für „Produktion“). Ansonsten sind alle sieben Professuren männlich besetzt. Dasselbe Phänomen beobachtet die Geschäftsführerin des Drehbuchverbandes Österreich bei ihren ehemaligen Kommilitoninnen: „ Während des Studiums an der Filmakademie ist das Verhältnis etwa 50:50. Unsere Branche ist sehr kompetitiv, die Entscheidungsträger in den maßgeblichen Positionen sind ausschließlich männlich, man traut den Frauen weniger zu oder lässt sie nicht ran.“

Quellen: Andrea Heinz: „81:1. Unter welchen Bedingungen arbeiten weibliche Filmschaffende in Österreich?“, in: AN.SCHLÄGE, Mai 2010 und Andrea Schurian: „Kleiner Trost“, in: Der Standard, 19./20. Juni 2010.  | Bild: http://www.drehbuchforum.at


 

Shocking Busen


Anlässlich des Filmstarts des von Robert Rodriguez ausgebauten Trailers Machete erklärte die Schauspielerin Jessica Alba, die eine Agentin der Einwanderungsbehörde spielt, die amerikanische Moral: „In den USA ist es sehr viel kontroverser, einen nackten Busen zu zeigen als jemandem den Kopf abzuschlagen.“

Jessica Alba im Gespräch mit Thomas Abeltshauser: „Wir wissen, was es heißt, zu arbeiten“, in: Ray 11/2010.


Goldener Löwe für Sofia Coppola in Venedig


Sofia CoppolaAls erste Frau seit Mira Nair vor neun Jahren hat Sofia Coppola 2010 in Venedig triumphiert: Jurychef Quentin Tarantino verlieh ihrer vierten Regiearbeit, Somewhere, den Goldenen Löwen der Mostra. 2003 hatte sie den Drehbuch-Oscar gewonnen – für die melancholische Komödie Lost in Translation. „Großer Sieg für eine scheue Lady“, titelte der Boulevard.

Bild: http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-59252.html


 

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