Klischee ade! WE WANT MORE ROCK ’N’ ROLE


Klischees aller Art prägen unseren Alltag. Es ist schwierig, ihnen zu entkommen. Doch bieten Role-Models fernab von Althergebrachtem auch die Chance für neue Frauenbilder. Gleichstellung existiert teils nur am Papier, aktuelle Zahlen zeigen ein anderes Bild. Weg mit der diese Missstände nur kaschierenden Blümchentapete, her mit konkreten Fakten! Wir fordern innovative Role-Models!

Vertreterinnen aus den Bereichen FRAUEN ARBEIT FILM, die über ihre Spartengrenzen hinausblicken, bieten dazu Vorschläge:
 

Sabine Derflinger ... Regisseurin („Tag und Nacht“, „Eine von 8“, „Vollgas“)
Patricia Josefine Marchart ... Filmemacherin, Schriftstellerin („One Minute Woman“)
Judith Baum ... Bildende Künstlerin und Interventionistin im öffentlichen Raum
Karin Rick
 ... Schriftstellerin („Chaos-Girl“), Redaktion des Frauenkulturberichts der Stadt Wien
Maria-Anna Kollmann
  ... Geschäftsführerin Dachverband der Filmschaffenden

Begrüßung: Bundesministerin für Frauen und Öffentlichen Dienst Gabriele Heinisch-Hosek
Moderation: Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin Ulrike Weish


Donnerstag, 23. September 2010, 18 Uhr
Palais Porcia, Säulensaal, Herrengasse 23, 1010 Wien

Fotodokumentation: Andy Wenzel. -  Unterstützt von: Bundesministerium für Frauen und öffentlicher Dienst, Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur.




ROLLE VORWÄRTS ROLLE RÜCKWÄRTS

Ein Bericht von Sabine Perthold

 

Die Säulenhalle des Renaissance-Palais Porcia in der Wiener Herrengasse konnte den Besucherinnenzustrom kaum aufnehmen. Alle verfügbaren Sitzgelegenheiten waren bereits besetzt. „Klischee Ade! – We Want more Rock'n'Role“ lautete das Thema der Diskussionsrunde zu der Brigitte Mayr und Sabine Perthold, die Organisatorinnen der 10-teiligen – von SYNEMA konzipierten – Veranstaltungsreihe FRAUEN ARBEIT FILM am 23. September einluden.

„Frauenpolitik bedeutet für mich“, eröffnete Gastgeberin Gabriele Heinisch-Hosek, Bundesministerin für Frauen und Öffentlichen Dienst, „vor allem das Aufbrechen festgefahrener Rollenbilder.“ Aus diesem Grund begrüße sie eine Initiative wie FRAUEN ARBEIT FILM, die im Film- und Kommunikationsbereich starke Role-Models aus den unterschiedlichsten Kunstgattungen wie Film, Literatur und Bildender Kunst anbiete. Aktuell bereitet das Frauenministerium eine Veranstaltung über „Sexismus in der Werbung“ vor – einem Nährboden für weibliche, zum Großteil veraltete Klischees. „Wir wollen uns aktiv in den österreichischen Werberat einbringen, um der ganzen Sache Zähne zu verleihen.“ (siehe: Eröffnungsrede der Frauenministerin)


In der Einleitung verwies Brigitte Mayr auf die ursprüngliche Bedeutung von Klischee: „Der Begriff stammt aus der Drucktechnik und bezeichnet ein Holzmodell, in das die Lettern gegossen wurden.“ Ohne Klischee gäbe es kein einziges Buch.

In unserem heutigen Sprachgebrauch hat der Begriff „Klischee“ eine Bedeutungsabwertung erfahren, wie Co-Organistorin Sabine Perthold skizzierte: „Ein Klischee meint zwar noch immer etwas Schablonenhaftes, aber im Sinne eines veralteten Bildes, eines eingefahrenen Denkschemas oder einer abgedroschenen Redensart.“ Es ist diese Ambivalenz, in dessen Rahmen sich dieser Abend bewegen sollte.

Demzufolge lauteten die zentralen Fragen: Welchen Klischees sitzen wir Alle – bewusst oder unbewusst – auf? Wie wird mit Klischees beim Filmen, Schreiben, Malen gespielt? Wo werden Klischees in einem künstlerischen Prozess wissentlich eingesetzt? Wodurch werden Klischees in Arbeiten von Frauen reproduziert bzw. dekonstruiert?


„Herr-lich däm-liche Produktion“


Die Filmemacherin und Literatin Patricia Josefine Marchart zeigte 6 Einminüter aus ihrem Film „One Minute Woman“. Die nächsten zwei Jahre will sie dieses Projekt zu einem „herr-lich däm-lichen Opus Magnum“ anwachsen lassen; dazu sammelt sie weibliche Namens- und Berufsbezeichnungen wie „Schrauben-Mutter“, „Kloster-Schwester“, „Kamera-Frau“, „Puff-Mutter“ oder „Leih-Oma“, die auf originelle Weise verfremdet und dekodiert werden.

So entsteht eine kuriose Sammlung von Kurzspielfilmen, Trick- und Animationsfilmen, Light Painting mit über 100 verschiedenen DarstellerInnen mit dem Ziel: Existierende Bilderwelten zu erforschen und filmisch zu visualisieren, denn „Klischees produzieren Machtgefüge“, verweist Marchart auf die gesellschaftlich kanonisierten Rollenbilder von Frauen. „Bereits die Schulbücher sind voll von männlichen Ärzten und Mechanikern und weiblichen Krankenschwestern und Serviererinnen.“


„Realität entsteht aus den Bildern, die wir wahrnehmen“

Sie hat bereits über ein Dutzend Spielfilme gedreht: Die Regisseurin Sabine Derflinger brachte zwei ausgewählte Trailer mit: von ihrer Doku „Eine von 8“; und von ihrem neuesten Spielfilm „Tag und Nacht“, der erst nach dieser Veranstaltung Kinopremiere hatte. Obwohl es um gänzlich unterschiedliche Problematiken geht (Brustkrebs und Escort-Service), gibt es laut Sabine Derflinger Gemeinsamkeiten: „Ich lege in beiden Arbeiten den Fokus auf die Eigenverantwortlichkeit der Protagonistinnen.“

In beiden Fällen arbeiteten viele Frauen vor und hinter der Kamera. In beiden Fällen wird kein Opferstandpunkt gezeigt, sondern ein aufklärerischer Blick auf grenzüberschreitende Situationen geworfen. „Ich möchte Geschichte erzählen, die eine politische Haltung beinhalten. In Tag und Nacht sehe ich mir einmal mehr die Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern an, in diesem Fall im Bereich von Sexarbeiterinnen.“ Auf die Frage, warum Derflinger glaube, einen anderen Blick auf das schon oft abgehandelte Thema der Prostitution werfen zu können, antwortet sie: „Weil ich anders bin, anders schaue, anders sozialisiert bin. Ich recherchiere sehr viel in den unterschiedlichen Milieus – allein oder mit den Schauspielerinnen und der Kamerafrau. Wir haben uns viel angesehen und dann Bezüge hergestellt. Insofern haben alle meine Geschichten einen starken Bezug zur Realität.“


Eigene Haut zu Markte tragen


Judith Baum ist bildende Künstlerin in Wien und arbeitet seit 1988 in den Bereichen Malerei & Video. Eine ihrer letzten aufsehenerregenden Interventionen im öffentlichen Raum war 2009 die erste feierliche Wiener Gassenumbenennung nach lebenden zeitgenössischen Künstlerinnen, inklusive Bezirksvorstandsreden, Denkmalenthüllungen und Einbeziehung der BürgerInnen.
Andere Städte nummerieren ihre Straßen einfach durch. In Wien hat jede der über 6.200 Verkehrsflächen ihren eigenen, aussagekräftigen Namen. Diese Namen erzählen Geschichten und beschreiben so den Charakter einer Stadt. Sie erinnern an wichtige Ereignisse und ehren bedeutende Persönlichkeiten. „Faktum ist“, so Judith Baum, „dass 95 % aller Straßen und Plätze nach Männern benannt sind, die seit mindestens einem Jahr verstorben sein müssen.“

Die beiden Künstlerinnen Judith Baum und Katharina Razumovsky haben mit dieser gängigen Gepflogenheit gebrochen und die Baumgasse und die Rasumofskygasse im 3. Wiener Gemeindebezirk kurzfristig in JUDITH BAUM GASSE und KATHARINA RAZUMOVSKY GASSE umbenannt. „Wir haben aus etwas Bestehendem hinterfragt und so einen Denkprozess bei den „Stadtvätern“ angeregt“, sagt Judith Baum und hält stolz ihr Straßenschild in die Höhe.

Das MUSA (Museum auf Abruf) zeigte in seiner Ausstellung „Wiener Gerücht“ die Dokumentation dieser einmaligen Ehrung zweier lebender zeitgenössischer Künstlerinnen.

Das zweite präsentierte Projekt „Final Casting“ spielte mit dem Aspekt der Selbstinszenierung. Wie positioniere ich mich als Frau am Markt? Welches Foto verwende ich? Gemeint war nicht nur der Kunst-Markt, sondern – ironisch überhöht – der Heiratsmarkt. „Im Sommer 2008 bin ich gemeinsam mit anderen Künstlerinnen losgezogen, habe einen Stand an erotischen Unorten wie Stephansplatz, Brunnenmarkt, Donauinsel, U-Bahn, Naschmarkt oder im AKH aufgeschlagen und ein gut leserliches Schild 'SUCHE MANN' vor uns platziert“, erzählt Judith Baum von ihrem Experiment im öffentlichen Raum. „Wir haben uns nicht hinter Avataren oder anderen anonymen Pseudo-Identitäten versteckt, sondern mit den zahlreichen neugierigen Männern einen Kompatibilitätstest via Rechenmaschine gemacht.“ Bewertet wurde dieser „Echtzeit-Eignungstest“ durch ein grün oder rot aufleuchtendes Licht, wenn die Partner-Profile übereinstimmten.

Der öffentliche Raum wurde bei dieser Real-Life-Experience zum Schauplatz privater Befindlichkeiten. Was sonst unter dem Deckmantel einer zumindest teilweisen Anonymität an Suchstrategien im Cyberspace abgewickelt wird, gewinnt durch die Inszenierung im öffentlichen Raum eine unangenehme Körperlichkeit. Diese schmale Gratwanderung zwischen lustvoller Selbstdarstellung und erniedrigender Selbstanpreisung kennt Judith Baum auch als Künstlerin, „wenn ich mir überlege, wie ich meine Arbeit präsentieren soll“.


Meisterin der widerspenstigen Bilder

Sie hat als Schriftstellerin bereits 11 Romanen verfasst, in denen sie konsequent „gegen die heterosexuelle Matrix“ anschreibt. Karin Rick zeigte Ausschnitte aus dem 1996 gedrehten Dokumentarfilm „Glamorous Journey“, der sie als Autorin porträtiert. „Als mir die Filmemacherinnen den Freiraum ließen, mich zwischen den Interviews selber zu positionieren, hatte ich zunächst Angst, in die Klischee-Falle zu tappen; denn jede Selbstdarstellung ist eine Gratwanderung zwischen Subjekt und Objekt. Deshalb griff ich tief in die Schublade für imaginierte Weiblichkeitsbilder und stilisierte mich mit einem Augenzwinkern abwechselnd als Vamp, Rebellin und Domina.“ (siehe hierzu auch Vortrag von Karin Rick >hier)

Das Resultat ist eine Traumreise in ein fantastisches Universum, das Karin Ricks Wunsch, „alltagsfremde Schichten“ überzuziehen, um so der eindeutigen Festschreibung zu entkommen, verdeutlicht.
Auch in ihren Romanen versucht sie, traditionelle Rollenmuster zu brechen. „Das Schreiben über Sex ist das allerschwierigste, weil eine sexuelle Situation ohne Distanz oder Selbstironie schnell langweilig wird. Der „Kick“ kommt erst zustande, wenn etwa Komik ins Spiel kommt, die die Erwartungshaltung bricht. Das ist vom Formalen her eine Wahnsinnsarbeit!“

Für die Schriftstellerin Karin Rick bündelt das Konstrukt der – meist bisexuellen – „Garçonne“ weibliche Ausbruchsphantasien. Während der 1920er Jahre tummelten sich diese „Rebellinnen“ in Film und Literatur als VOR-Bild für eine große Bandbreite von imaginierten oder realen Frauengestalten. Allerdings, so Karin Rick, habe ein ökonomisch begründeter Backlash diesen Typus Frau endgültig gekillt.

Dennoch plädiert Rick am Schluss ihres Vortrags (siehe: „Glamorous Journey oder Marilyn Monroe stirbt nicht mehr“) für die Wiederbelebung des weiblichen „Tricksters, als ambivalente Figur für ein weibliches Verhaltensrepertoire.“


Facts and Figures


Das Palais Porcia beherbergte ab 1883 öffentliche Institutionen wie den Verwaltungsgerichtshof und Rechnungshof, weshalb uns hier eine Strukturdebatte angebracht schien.

Die Geschäftsführerin des Dachverbands der Filmschaffenden, Maria-Anna Kollmann, präsentierte ihr über die Jahre gesammeltes, wertvolles Zahlenmaterial, das viele Missstände eindrucksvoll belegt: Frauen im Kunst- und Filmbereich haben schlechtere Aufstiegschancen, geringere Verdienstmöglichkeiten und sehr unregelmäßige Arbeitszeiten, was den Spagat zwischen Beruf und Privatleben noch schwieriger macht. Sind Frauen in unserem Land allgemein mit 25 Prozent geschlechtsspezifischer Gehaltsschere konfrontiert (europaweit an vorletzter Stelle!), zeigt der aktuelle Bericht „Zur sozialen Lage der Künstler und Künstlerinnen in Österreich“ in dem auch Filmschaffende erfasst sind, dass die Gehaltsschere beim künstlerischen Einkommen sogar bei 35 Prozent liegt.

Aufgrund dieser unsicheren Einkommens- und Beschäftigungssituation haben nur 52 % der kunstschaffenden Frauen Kinder. Bei der österreichischen Gesamtbevölkerung haben 70% Kinder.

Die Frauenministerin forderte „gerade im Kunst- und Mediensektor starke Rolemodels“ und – „obwohl das neuen ORF-Gesetz eine Frauenquote von 45 Prozent für alle Stellenausschreibungen fixiert und obwohl sich der Filmbeirat des BMUKK erfreulicherweise aus drei Frauen und zwei Männern zusammensetzt, bleibt noch viel zu tun!“ So müsse auf die Steigerung des Frauenanteils bei Professorinnen – etwa auch an der Filmakademie – und bei bevorstehenden Besetzungen von Rektorinnenposten geachtet werden.

Kollmann zitierte ÖFI-Direktor Roland Teichmann, der den österreichischen Film als starken Wachstumsmarkt herausstreicht. „8.000 Beschäftigte im Filmbereich und ein Gesamtumsatz von 874 Millionen Euro im Jahr 2009 sprechen für sich“, so Teichmann. „Vor allem, wenn man sich die Zahlen ansieht, die das Missverhältnis zwischen den Einkommen weiblicher und männlicher FilmarbeiterInnen ansieht“, ergänzt Maria-Anna Kollmann.
Gleichstellung existiert zwar de facto auf dem Papier, aber die Zahlen und Fakten sprechen deutlich eine andere Sprache!



FILM ALS WIRTSCHAFTSFAKTOR


Maria-Anna Kollmann zeigte folgende Folien
(für Vergrößerung bitte anklicken):

Kunstbericht - Filmabteilung BMUKK - Förderungen DREHBUCHKunstbericht - Filmabteilung BMUKK - Förderungen Projektentwicklung

Kunstbericht Filmabteilung BMUKK Förderung HERSTELLUNGFilminstitut - Förderungen PROJEKTENTWICKLUNG

Filminstitut Förderungen HERSTELLUNG KINOFILMSchnappschuss Besetzungen in VERBÄNDEN

Frauenkulturberichte der Stadt Wien 2001 bis 2009 - Filmfonds Wien - Frauenanteil
Diese Zahlen provozierte eine Filmemacherin aus dem Publikum zu der Aussage: „Es nützt uns wenig, wenn viele Frauen in Beiräten vertreten sind, aber nicht in den Aufsichtsräten!“



 




Soziale Lage (Studie „Soziale Lage Kunstschaffende“, 2008):

 

Frauenanteil in der Filmbranche: 36,30 % (M. 63,70), zweitschlechtester Wert nach der Musik, im Vergleich darstellende Kunst: 52,30 %, Bildende Kunst: 51,70 %.

Familienstand: ledig 45 % (Bevölkerung: 30%)

Kinder: F: 52 %, M: 60 % (Durchschnitt Bevölkerung: 70 %), Grund: unsichere Beschäftigungs- und Einkommenssituation

Bildungsgrad: 80 % der Filmschaffenden haben eine künstlerische Ausbildung, 45 % sind AkademikerInnen, 88 % bilden sich weiter

Grundsätzliche finanzielle Situation: im Filmbereich finanzielle Situation durch „fragmentierte Arbeitsrealitäten“ (S 29) besonders schwierig

Spartenschwerpunkt: 6 % geben Film als Spartenschwerpunkt an, aber 20 % sind im Film aktiv (Schluss: es existieren mangelnde Beschäftigungsmöglichkeiten, um sich mit Film als Schwerpunkt befassen zu können).

ÖFI vergibt 15,5 Mill. Euro pro Jahr. Laut Direktor des Filminstituts, Roland Teichmann, ist der österreichische Film eine absolute Wachstumsbranchen mit 8000 Beschäftigte und einem Gesamtumsatz von 874 Mill. Euro.

Karin Rick, die in ihrem Brotberuf bei der Stadt Wien die Ansprechpartnerin für Kulturprojekte und Gender-Mainstreaming ist, hat über 9 Jahre die Zahlen des Filmfonds der Stadt Wien, erhoben. Insgesamt stehen 10 Millionen Euro zur Verfügung. Über all die Jahre lässt sich folgende Konstante feststellen: Frauen schaffen es nie über die 30% bei allen Kunstsparten. Außerdem seien „weibliche Jurymitglieder keine Garantie für nicht die Frauenförderung“.



Auszugsweise Diskussionsbeiträge:
 

Die Abteilungsleiterin der Filmabteilung des BMUKK, Barbara Fränzen, verwies auf die unterschiedlichen Einreichungsmodalitäten: „Beim ÖFI können nur Produktionsfirmen einreichen, keine Einzelpersonen, in der Kunstsektion können auch Künstlerinnen Subventionsanträge stellen. Ich kann nur Frauen ermutigen einzureichen. Wir bemühen uns um bessere Unterstützung und haben aus diesem Grund Startstipendien eingeführt. Das sind 5 Stipendien, für die vor allem Frauen ausgewählt und von einer Mentorin in puncto Verbreitung von weiblichen Themen unterstützt werden. Das ist insofern wichtig, da vor allem im Verleihbereich nur Männer anzutreffen sind.“


Die Filmschaffende Zuzana Brejcha erzählt eine Anekdote aus ihrer Ausbildungszeit. Nach Abschluss der Filmakademie trat sie ihren ersten Job als Schnittassistentin an. „Ich ging in den Schneideraum und wurde von meinen Kolleginnen mitleidig belächelt. Auf meine Frage, was denn los sei, klärten sie mich auf: Cutterinnen müssen klein und handlich sein, so mögen es die Regisseure.“


Sabine Derflinger betont die Wichtigkeit der Repräsentanz von Frauen in den Gremien: „Sitzen mehrere Frauen als Jurymitglied im ÖFI, dann entstehen andere Diskurse, eine andere Umgangskultur. Viele Frauen sollten hier vertreten sein, damit eben nicht von einzelnen „Quotenfrau“ gesprochen werden kann.“

Judith Baum berichtet über die Zusammenhänge von Ökonomie, Prestige, Image, Käuferpotenz und Selbstvermarktung am Kunstmarkt: „Bei 23% aller Kunstankäufe handelte es sich um Kunstwerke von Frauen. Ab einer Preisgrenze von etwa Euro 7.000,- werden nur 1,7% Kunstwerke von Frauen verkauft. Wo es richtig teuer wird, stehen Frauen ganz schlecht da. Die Werke der Staatspreisträgerin Brigitte Kowanz besitzen viel weniger Marktwert die der richtig dicken Fischen wie Nitsch oder Attersee. Hier herrscht immer noch das Klischee: Frau muss aus Überzeugung Kunst machen, aber Geld darf sie nicht verdienen.“

Die Festivalleiterin Barbara Reumüller (Identities queer Film Festival) vermisst in Österreich einen multikulturellen und genderdiversen TV-Sender wie es sie in Amerika gibt.

Maria-Anna Kollmann erwähnt ein im Aufbau befindliches Netzwerk: „Seit 2 Jahren gibt es den Filmclub Gloria, der sich langsam um weitere Frauen in der Filmbranche erweitert. Es wird eine aus öffentlichen Geldern finanziert Frauen-Datenbank geben. Hier kann mensch gezielt nach einer Kamerafrau oder Produzentin für das nächste Filmprojekt suchen.“

Unisono haben sich alle Beteiligten von dem Klischee verabschiedet, dass sich während der letzten 30 Jahre Vieles zum Besseren gewendet habe. Sicher, es gibt Leitfäden für gendergerechte Sprache, Frauenparkplätze in den Garagen und speziell für Frauen zugeschnittene Börsenportfolios und seit der letzten Regierungsbildung – ein eigenes Frauenministerium.
Es gibt viel zu tun, packen wir’s an!


*Illustrationen zur Lage der Künstlerinnen von Gabriele Szekatsch



 

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